Konzept

„Queere Theorie – Queere Öffentlichkeit“ Unter dieser Überschrift findet am 9./10. Juli an der Universität Hamburg ein Workshop statt, bei dem es um die Bedeutung der Queer Theory für die universitäre Forschung und Lehre sowie um Möglichkeiten queerer Interventionen in dominanzgesellschaftliche politische Felder geht. Der Workshop versteht sich als Austausch derjenigen, die innerhalb und außerhalb der Universitäten queere Wissensproduktion betreiben.

Neben Institutionenpolitik und Vernetzung stellen sich uns thematisch folgende Fragen: Warum findet so wenig queere Theorie ihren Weg in die Öffentlichkeit? Welche Formen der Öffentlichkeit würden wir gerne schaffen und/oder erfahren? Was bedeutet es, queer als gesellschaftspolitische Position zu präsentieren?

Der Workshop findet im Anschluss und in Kooperation mit der 3. Jahrestagung der Zentren für Frauen-, Geschlechterforschung und Gender Studies (www.genderstudies-hamburg.de) statt. So können die Einstiegsfragen des Queer Workshops zugleich der Selbstreflexion und Profilbildung der Gender Studies dienen: Inwiefern hat der Einbezug der Queer Theory in die Gender Studies zu einem Wandel im Selbstverständnis dieser Disziplin geführt? Was heißt es anzuerkennen, dass queer nicht die Integration eines weiteren Spezialgebiets bedeutet, sondern eine heteronormativitätskritische Herausforderung der Kategorie Geschlecht selbst?

Wie kann eine Verankerung der Queer Theory so erfolgen, dass sie einerseits Raum im universitären Feld beansprucht, ohne verschult, festgelegt oder normativen Restriktionen unterworfen zu werden? Inwieweit können Bezüge zu politischer Bewegung und Aktivismus unterhalten, etabliert und abgestützt werden, ohne dass sie von der Theorie vereinnahmt werden? Wie können kooperative Strategien des Eingreifens in die hegemoniale Öffentlichkeit entwickelt werden?

Der thematische Schwerpunkt des Workshops liegt auf den begrenzten oder nur begrenzt genutzten Möglichkeiten queerer Öffentlichkeit. In Vorträgen, Arbeitsgruppen und moderierten Plenumsdiskussionen soll diskutiert werden, wieso es im deutschsprachigen Bereich bislang kaum gelungen ist, queer als politische Einmischung in dominante gesellschaftliche Entwicklungen zu praktizieren und entsprechend queere Diskurse zu setzen. Die neoliberale Umstrukturierung von Gesundheitswesen, Arbeits- und Sozialpolitik, in Deutschland beispielsweise durch Hartz IV, Asyl- und Migrationsrecht oder Sicherheitsgesetze sind Themen, die nach queeren Kritiken und Perspektiven verlangen. In der medialen Öffentlichkeit wird queer jedoch ausschließlich als Lifestyle-Phänomen oder als Synonym für lesbisch/schwule Identitätspolitik wahrgenommen. Mangelt es etwa an alternativen Konzepten?

Wir mutmaßen, dass es diverse Gruppen und Einzelpersonen gibt, die an gesellschaftspolitischen queeren Themen arbeiten und möchten gerne zum Austausch und zur gemeinsamen Diskussion einladen. Ziel ist es, Möglichkeiten der Kooperation auszuloten, die Vernetzung zu verstärken und zu überlegen, wie bestehende Diskussionen zu öffentlichen Debatten werden können. Ist es möglich, sich von den Medien weder abschrecken noch vereinnahmen zu lassen und dennoch die hegemoniale Definitionsmacht zu unterlaufen und queere Diskurse und Repräsentationen zu lancieren?




Anmeldung bitte bis 01. Juni 2005 an - Frist verlängert bis 1. Juli 2005, bitte per Email an:
mail@queerworking.de

Während in den beiden Vorjahren die europaweit ausgerichteten Workshops „Intervention rather than Integration“ und „Re/Working Conditions“ stattfanden, soll dieses Jahr die deutschsprachige Debatte intensiviert werden. Dennoch möchten wir die diversen europäischen und außereuropäischen Kontakte nicht aus den Augen verlieren. Deshalb haben wir zwei der OrganisatorInnen der internationalen Queer-Konferenzen eingeladen, die seit 2000 jährlich in Polen stattfinden: Dominika Ferens (Wroclaw / Hannover) & Tomek Basiuk (Warschau / New York) werden den thematischen Teil des Workshops am Samstag Abend mit einem Vortrag einleiten.

Antke Engel
in Zusammenarbeit mit:
Kathrin Ganz, Do Gerbig, Marko Hutsch, Claudia Jachnik, Joke Janssen und Claudia Koltzenburg


Vorbereitung und Arbeitsweise:
Am Samstag beginnen wir mit dem Block "Getting institutionalized?!
Queer im akademischen Kontext" und möchten dabei den thematischen Einstieg mit einer Vorstellungsrunde verbinden.
Alle TeilnehmerInnen werden darum gebeten, zur Vorbereitung auf die Diskussion, eine kurze Antwort-These auf eine der untenstehenden Fragen zu formulieren. Schreibt euren Gedanken bitte stichwortartig auf eine Karteikarte und stellt euch und eure These auf dem Workshop kurz (d.h. nicht länger als 3 Minuten) vor.

1) Inwiefern hat sich das Selbstverständnis der Gender Studies durch Queer geändert?
2) Leistet Queer in der Universität umfassende Gesellschaftskritik oder ist es ein Spezialgebiet der Gender Studies?
3) Wird Queer durch die Institutionalisierung entpolitisiert?


Fahrtkosten:
Für den Workshop steht leider nur ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung. Da wir allen Interessierten die Teilnahme am Workshop ermöglichen wollen, werden wir Fahrtkostenzuschüsse in Form von Pauschalen gewährleisten.

Wir möchten alle TeilnehmerInnen, die bei Institutionen angestellt sind oder andere Möglichkeiten haben, dringend darum bitten, die Fahrtkosten "im Haus" zu beantragen.


Unterkunft:
Auf Anfrage können wir private Übernachtungsmöglichkeiten für die TeilnehmerInnen organisieren.